Viel Blingbling, wenig dahinter: Die Pläne für die Friedrichstraße

Die Berliner Friedrichstraße ist für Berlin zum Symbol für den Kampf um die Verkehrswende geworden: Kurz vor der Senatswahl wollte die damalige Verkehrssenatorin mitten im Winter einen Quick-Win für die Grünen reinholen und hat sich damit komplett verhoben. Jetzt versuchte es die CDU mit einem absurden Plan, der niemanden glücklich machen wird, am wenigsten die Friedrichstraße selbst. Aber der Reihe nach.

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner & Senatorin Ute Bonde stellten heute ein Konzept von Tobias Nöfer, Vorstandsmitglied des Architekten- & Ingenieurvereins zu Berlin-Brandenburg, für die Zukunft der Friedrichstraße vor. Darin wird der öffentliche Raum aufgewertet & für alle nutzbarer gemacht.

SenMVKU (@senmvku.bsky.social) 2025-11-17T17:00:45.679Z

Ah ja, schöne Bilder. Aber es sind eben nur Fantasie-Renderings. Das eine verlorene Auto, kaum sichtbar. Aber in Wahrheit soll der Abschnitt als Durchfahrtsstraße erhalten bleiben. Heißt also in der Realität: Es bleibt bei der Blechlawine, beim lauten und dreckigen Autoverkehr, der eben gerade nicht für eine Wohlfühlatmosphäre steht. Die schmale Straße lädt vielmehr zum engen Überholen von Radfahrenden ein, es wird also gefährlich.

Überhaupt ist es interessant, dass bei all diesen Bildern kaum Autos vorkommen 🤔 Überall Radfahrer und Lastenräder, sogar Fußgänger. Autos – fast – Fehlanzeige. Dabei seien die doch, so muss man die öffentlichen Äußerungen von CDU & Co. interpretieren, das entscheidende Erfolgskriterium für die Friedrichstraße. „Da geht es um für alle guten Verlehr statt Konfliktzonen“, steht auf einer Grafik... Das passt zu den Visualisierungen, aber sicherlich nicht zu dem allgemeinen Auftreten des Senats in puncto Autoverkehr. Wären die Visualisierungen ernst gemeint, würde ich sagen: Dann sperrt die Straße halt für Autos.

Laden Blingbling-Fantasien zum Kaffee ein?

Für 'ne Shopping-Meile trennt übrigens weiterhin die Fahrbahn beide Straßenseiten, in den Bildern zum Teil streng getrennt durch Absperrungen. Und wer setzt sich bitte direkt an den Straßenrand, um seinen Caffè Latte zu trinken? Klar, in den Bildern passt das wahrscheinlich, aber wenn in Wirklichkeit die Autokolonnen daneben brummen? Eher niemand.

Bleibt noch das Blingbling, die kleinen Lämpchen im Straßenbelag. Nette Idee, aber wohl kaum in einer Straße für Autos umsetzbar.

tldr: Ehrlichkeit wäre angebracht

Mal ehrlich: Stadtentwicklung ist letztlich immer kompliziert – die eine will so, der andere so. Irgendwie muss man das dann zusammenbringen. Was der Senat hier vorlegt, hinterlässt einen faden Beigeschmack: Wer zunächst beklagt, die Autosperrung habe den Niedergang der Friedrichstraße maßgeblich verursacht, und dann mit diesem Vorschlag daherkommt, der muss sich fragen lassen: „Ernsthaft?“

Offenkundig lösen die Ideen nicht das ursprünglich vom Senat behauptete Problem, daher muss man davon ausgehen, dass der Senat diese Pläne gar nicht umsetzen will. Es klingt alles erst mal gut, es sieht alles erst mal gut aus, und danach kommt das traurige Nichts.

Vom aktuellen Berliner Senat ist in Sachen Verkehrspolitik bislang nur Rückwärtsgewandtes überliefert. Mehr Ehrlichkeit wäre daher dringend angebracht: Parkhaus, Tankstelle und schön viel Straßengrau mit autoweise Farbakzenten – das ist die Idealvorstellung des aktuellen CDU/SPD-Senats.


PS: Dieser Blog ist zwischen November 2025 und Mai 2026 entstanden 😬